Der Zeiger
Eine Moderne Parabel
Der Zeiger war ein sehr hilfreicher Kerl. Seine Naegel waren an manchen Stellen lang und scharf und an anderen etwas ungleichmaessig — als Ergebnis seines staendigen Kauens.
"Sie sollten dieses Denkmal sehen," sagte er und schwang seinen rechten Arm wie ein riesiges Pendel nur wenige Zentimeter vor den Nasen seiner Zuhoerer.
"Schauen Sie sich diesen roten Vogel an. Schauen Sie sich diesen blauen Vogel an," sagte er.
"Wusch," toente sein Arm, als sein scharfer Zeigefinger mit voller Wucht vor unschuldigen Passanten schwang.
Der Zeiger konnte es kaum erwarten, Wegbeschreibungen zu geben. Die Schönheit seiner Stadt zu erklären. Seine Arme schwangen hin und her. Seine Zuhörer warteten sehr geduldig darauf, dass er sein scharfes Instrument aus ihren Gesichtern entfernte.
Einige taumelten ein oder zwei Schritte zurueck. Aber der Zeiger folgte ihnen, den Finger auf das Ziel seiner Erklaerungen gerichtet.
An einem Samstag stieg ein Mann aus einem Flugzeug. Da er nicht wusste, wo er ein Lebensmittelgeschäft finden konnte, wanderte er stundenlang umher. Es half nicht, dass der Mann die Straßenschilder nicht lesen oder die Ladenschilder nicht deutlich erkennen konnte. Er ging und ging, bis er zufällig auf den Zeiger traf, der an einem Laternenpfahl stand.
"Entschuldigen Sie, mein Herr. Koennten Sie mir helfen, ein Lebensmittelgeschaeft zu finden? Ich bin so hungrig. Ich fuehle mich, als haette ich tagelang nichts gegessen."
"Das ist kein Problem. Ich kann Ihnen helfen," antwortete der Zeiger mit einem Laecheln.
Der Zeiger schwang seinen Finger vor dem Gesicht des hungrigen Mannes hoch.
Aber bevor er ein Wort sagte, biss der hungrige Mann in die Luft und auf seinen Finger.
"Autsch!" schrie der Zeiger. "Das ist mein Finger!"
Der hungrige Mann spuckte ihn aus, als haette er etwas sehr Saures geschmeckt.
"Ich dachte, Sie bieten mir einen Chip an, leicht gesalzen," antwortete er.
Der Zeiger wickelte seine Hand mit einer Serviette ein.
"Ich werde etwas tun, was ich noch nie getan habe. Ich werde Sie persoenlich zum Lebensmittelgeschaeft bringen," sagte er. "Ich muss dort ein Pflaster kaufen."
Er ging neben dem hungrigen Mann, hielt seinen Finger fest und teilte Wegbeschreibungen.
"Ein wunderschoener roter Vogel dort," nickte er.
"Wo, wo?" fragte der hungrige Mann.
Der Zeiger gab immer noch Wegbeschreibungen, aber er schwang nie wieder jemandem seinen Finger ins Gesicht.
A story by Pemba Umoja