Wachmann
Der Raum ist so still, dass man alles hören kann
Eine junge Geschäftsfrau mit einer Lederhandtasche streifte an ihm vorbei. Ein Mann mit schwarzer Mütze, in einem Cabanjacke und Kopfhörern, ging zentimeterweit vor ihm her. Ein älteres Ehepaar beklagte sich über die Übel der Technologie, würdigte ihn aber keines Blickes.
Er stand da, mit weit geöffneten Augen, und beobachtete die Passanten. Die kugelsichere Weste lastete auf seinen Schultern. Er wippte auf den Fersen vor und zurück—wechselte die Position, um das stundenlange Stehen zu ertragen. Er stand vor der Stadtbank. Die Drehtüren ließen die eilenden Menschen heraus wie einen sprudelnden Wasserhahn.
«Wenigstens sieht mich die Sonne», sinnierte der Wachmann.
Gerade da überquerte ein Mann mittleren Alters in schwarzen Turnschuhen und einem lila Rundhals-Sweatshirt, auf links getragen, die Straße. Seine Augen fanden den Wachmann—den Wasserhahn von Menschen, verschlungen von ihren eigenen Leben, die Bürgersteige gefegt von Lichtfunken.
«Wie geht es Ihnen?» fragte der Mann mittleren Alters, seine Augen ruhten sanft auf dem Wachmann.
«Mir… mir geht es, äh, gut», antwortete er, während Sonnenstrahlen gegen seine strahlend weißen Zähne glitzerten. «Haben Sie einen gesegneten Tag.»
Das lila Sweatshirt verschwand im Trippeln der Schritte und Silhouetten.
Die Sonne schien aus allen Richtungen.
A story by Pemba Umoja