Schmutzige Wäsche

Eine stille Abrechnung

Schmutzige Wäsche — a story by Pemba Umoja

Der ältere, geschäftsmäßig gekleidete Mann ging die belebte Straße entlang.

Ein betrunkener oder bekiffter Mann war von einem Roller gestürzt. Ein anderer Mann hob ihn vom Gehweg auf. Es war unklar, ob auch er betrunken oder bekifft war.

Anstatt anzuhalten und zu helfen, ging der ältere Geschäftsmann zügig weiter.

Bald kam er an einem Obdachlosen vorbei, der auf den Stufen seines Bürogebäudes saß und Geld zählte, ein ziemlich dickes Bündel Scheine. Es sah aus wie ein kleines Vermögen.

Ein bizarrer Gedanke schoss dem älteren Geschäftsmann durch den Kopf.

"Was, wenn ich es einfach packe?

Ich brauche keine Waffe. Ein Messer könnte helfen, aber ich könnte es auch einfach so an mich reißen.

Wie ist er überhaupt daran gekommen? Wahrscheinlich gestohlen. Neulich wurde jemand mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt."

Ehe er sich versah, beugte sich der ältere Geschäftsmann hinab und riss dem Mann das Geld aus der Hand.

Selbst er war überrascht.

Dann fing er an zu rennen, so schnell er konnte, sprang über den kaputten Roller und bog scharf links in eine müllverstopfte Gasse ab.

Von dem Mann, der sein Bündel gezählt hatte, war nirgends mehr etwas zu sehen.

"Konnte es wirklich so einfach sein?"

Er setzte sich neben einen Müllcontainer und fing an zu zählen.

20 Dollar, 40, 60.

560 Dollar in barer Münze.

Schmutziges Geld, schlüpfriges Geld, sogar stinkendes Geld.

Es stank ekelhaft.

"Wie soll ich dieses Geld überhaupt ausgeben? Es stinkt fürchterlich.

Man kann Geld doch waschen, oder?

Ich meine, richtig waschen."

Er ging nach Hause, ließ das Spülbecken mit Wasser volllaufen, kippte eine halbe Flasche Spülmittel hinein und schmiss das Geld dazu.

Er ließ es einweichen und schrubbte es vorsichtig.

Das Wasser im Becken wurde grün und violett.

Im Nu wusch er graues Papier mit lila Fingern.

Plötzlich kamen seine Frau und seine zwei Grundschuljungen herein.

"Was machst du da, Papa?", fragten sie.

"Äh, also…"

"Das sieht lustig aus, Papa. Dürfen wir helfen?"

"Ja", antwortete Papa. "Ich habe eine Doku über tibetische Gebetsfahnen gesehen. Ich dachte, wir könnten ein paar im Garten aufhängen."

"Woher wusstest du, dass ich Gebetsfahnen liebe?", flüsterte seine Frau und rieb ihm die Schulter.

"Wofür beten wir denn, Papa?", fragte der ältere Sohn.

"Äh…", zögerte der Papa.

"Um Vergebung", lächelte er.

A story by Pemba Umoja