Abigail und Abe

Ein stilles Leben zu zweit

Abigail und Abe — a story by Pemba Umoja

Abigail liebte die Arbeit. Sie konnte von acht bis acht sitzen, ohne aufzustehen, machte höchstens ein, zwei einminütige Gänge zur Toilette und zwanzig Minuten Mittagspause, am Tisch sitzend.

Nach der Arbeit machte sie Abendessen, dann Fernsehen, lag drei Stunden auf dem Sofa und schlief.

Abe dagegen mochte das Sitzen nicht. Wenn er arbeitete, stand er. Er war zappelig. Manchmal saß er, stand auf, saß, stand auf, saß, stand auf und ging dann auf lange Spaziergänge, beobachtend, bewundernd, streifend.

Er liebte es, am Fluss entlangzugehen. Man hörte dort noch die Autos, aber leiser.

Manchmal überredete Abe Abigail zu einem Spaziergang. Manchmal überredete Abigail Abe, fernzusehen.

Abe wollte für immer aufbrechen, die enge Stadt ein für alle Mal verlassen.

Abigail wollte arbeiten.

Sie hatten schon genug Geld, um alles zu tun, was sie wollten, aber das, was Abigail mehr als alles andere tun wollte, war zu arbeiten.

Abe ging zum Arzt. Er erfuhr, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Höchstens fünf Jahre, wahrscheinlich zwei bis drei, vielleicht nur eines.

"Ich halte dich von nichts ab", rief Abigail. "Wenn du gehen willst, geh."

Abe hatte immer davon geträumt, mit Abigail frei zu sein, von Ort zu Ort zu leben, die Welt zu sehen, das Leben zu erfahren.

Er wartete auf Abigail, blieb in der Stadt durch kalte Winter und heiße Sommer.

Er schmiegte sich auf den Boden zu Abigails Füßen, während sie von acht bis acht in die Tastatur tippte.

Abe machte seine Spaziergänge, aber er entfernte sich nicht mehr weit.

Ein Jahr verging, dann noch eins. Die Ärzte hatten ungefähr recht behalten. Es dauerte drei Jahre, bis Abe starb.

Er starb, während er mit Abigail eine Fernsehsendung sah.

Abigail beerdigte Abe und ging dann zurück an die Arbeit.

A story by Pemba Umoja