Ein Schneller Mann

Eine Kenianische Parabel

Ein Schneller Mann — a story by Pemba Umoja

Jonah war ein bekannter Laeufer in Kenia. Er war ein stolzer Mann, oft bekannt fuer seine Prahlerei.

"Ich bin eher ein Sprinter," pflegte er zu sagen. "Schneller als alle Marathonlaeufer in ganz Afrika."

"Ja, aber kannst du ueberhaupt einen Marathon laufen?" stichelte Jane, seine Schwester. Sie kannte alle Wege, ihn auf die Palme zu bringen.

"Lass mich dir etwas sagen, kleine Schwester," sagte Jonah. "Ich kann einen Marathon sprinten."

"Wow, das ist eine sehr grosse Behauptung, grosser Bruder."

"Weisst du, ich bin ein Mann der Tat, kleine Schwester," scherzte er.

"Wow. Weisst du, dass in Mombasa bald ein Marathon stattfindet? Ich hoere sogar, dass einige der besten tansanischen Marathonlaeufer dort sein werden."

"Stachelst du mich an, Jane?"

"Du nennst mich nur Jane, wenn du Angst hast."

"Das stimmt nicht und das weisst du."

"Nur um meiner kleinen Schwester etwas zu beweisen, werde ich diesen Marathon sprinten."

Sie starrte ihn an.

Er starrte sie an.

"Nun, ich habe etwas Training vor mir," sagte er, als er aufstand und ging.

Drei Wochen spaeter in Mombasa stand Jonah in Sprinterposition an der Startlinie. Jane stand am Seitenrand. Sie war schliesslich eine unterstuetzende Schwester.

"10–9–8–7–6–5–4… auf die Plaetze… 2…"

Bumm ertönte der Startschuss.

Jonah sprintete los, als haette er nur 100 Meter vor sich. Dann sprintete er weitere 200 Meter. 300. 400.

Die Menge rastete aus.

"Seht euch diesen Superhelden an!" riefen sie.

"Er hat endlose Kraft!"

"Hipp hipp hurra!"

"Er ist uebermenschlich!"

"Ob er wohl verheiratet ist," fluesterte eine junge Frau ihrer Freundin zu.

Die Lobpreisungen flossen wie ein Wasserfall und gaben Jonah Treibstoff.

Er sprintete weiter und weiter und weiter und weiter.

Die tansanischen Marathonlaeufer folgten auf dem zweiten, dritten und vierten Platz, weit hinter Jonah.

"Vielleicht haben wir unseren Meister gefunden."

"Ich habe noch nie einen Kenianer so schnell laufen sehen," bemerkte ein anderer.

Bei Meile vier spuerte Jonah einen Stich. Einen scharfen, schneidenden Stich, der elektrische Schoecke bis hinunter zu seinen Knoecheln sandte.

Er stuerzte auf seine Knie. Dann auf seine Handflaechen.

Die Menge schaute entsetzt zu.

Jane blickte hinueber—und sprintete zu dem Bruder, den sie angestachelt hatte.

Als sie ihn erreichte, konnte er kaum sprechen. Er rollte sich wie ein Baby vor ihr zusammen.

"Ich liebe dich, kleine Schwester. Ich liebe dich, Jane," fluesterte er.

Dann schloss er seine Augen.

Sie oeffneten sich nie wieder.

Der Marathon ging weiter. Alle Laeufer ueberholten ihn.

Die Tansanier gewannen. Sie belegten den ersten, zweiten und dritten Platz.

Jonahs Start war der schnellste in der Geschichte gewesen. Er hatte recht gehabt. Niemand hatte es je zuvor getan.

A story by Pemba Umoja