In Echtzeit

Die Welt, wie sie ist, alles auf einmal

In Echtzeit — a poem by Pemba Umoja

In einem verrauchten Pub,
junge rastlose Blicke prallen ab
durch Strähnen trüber Luft.
Kinder, ordentlich in Blau und Weiß
Schuluniformen, halten Hände—
einige hüpfend, andere lachend.
Allgegenwärtige teerige Schwaden
von Abgasen wirbeln unsichtbar
in ihrem Kielwasser.
Riesige Platten quellen über
von frischen Garnelen, Krabben, Flusskrebsen,
knackigem rohen Gemüse,
heißem gedämpften Fisch—
von Hand zu Hand gereicht.
Die meisten Esser, gesättigt,
lassen riesige Portionen
in die Mülleimer schütten.
"Keine Mama, kein Papa, kein Bruder,
keine Schwester. Gib mir etwas—10 Rupien."
Das Kind streckt winzige Hände
ins Taxi.
Leblose ovale Augen erheben sich
über blasigen, rattenzerfreSSenen Lippen.
Monoton
wiederholt er die Phrase
immer und immer wieder.
Rotwangig, flachshaarig,
eingehüllt in warme Schneeanzüge,
reiten Kinder tapfer
durch einen Winter-Vergnügungspark,
auf Shetlandponys,
durch ein Spalier
von Weihnachtslichtern.
Barfuß und zerlumpt,
zwischen dem Müll rennend,
kichern und verstecken sich Kinder.
Eine riesige Kuh verweilt in der Nähe,
fressend auf dem ranzigen Müllfeld.
Ich bin in dieser Welt—
und doch,
lebe ich
wissentlich ignorierend
den Schmerz.

A poem by Pemba Umoja